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Donnerstag, 11.07.2019 06:55 Alter: 12 Tage
Kategorie: Aktuelles

Elisabeth Freifrau von Lüninck verstorben


Elisabeth Freifrau von Lüninck (1932 -2019) vor dem Porträt ihres Großonkels, Clemens August Kardinal Graf von Galen. Den selig gesprochenen „Löwen von Münster“ hatte sie als Kind noch persönlich erleben dürfen. (Foto: cpd/Sauer)

Paderborn/Bestwig, 08.07.19 (cpd) – Ist tätige Nächstenliebe nur ein beliebiges Attribut des christlichen Glaubens, Caritas lediglich das „Sahnehäubchen“ der Kirche? Für Elisabeth Freifrau von Lüninck waren dies abwegige Vorstellungen: „Fußwaschung und Abendmahl gehören zusammen, sie fanden am selben Abend statt“, betonte sie immer wieder. Wie viel Dynamik, aber auch Lebenslust und manchmal fruchtbaren Streit dieses Zusammentreffen von tiefverwurzeltem Glauben und aktiver Nächstenliebe auslöst, dafür war Baronin Lüninck ein eindrucksvolles Beispiel. Im Alter von 86 Jahren ist die langjährige Bundes- und Diözesanvorsitzende der Caritas-Konferenzen Deutschlands am Samstag, 6. Juli,verstorben.

Dabei begann alles wenig spektakulär. Als sie 1962 nach Bestwig-Ostwig ins Sauerland kam, stand wenige Wochen später eine ehrenamtliche Mitarbeiterin der Elisabeth-Konferenz (heute Caritas-Konferenz) an ihrer Haustür. Sie müsse auf jeden Fall zahlendes Mitglied der Caritas werden, so wurde die frisch verheiratete Baronin Lüninck aufgefordert. Gefragt nach dem Grund erhielt sie die lapidare Auskunft: „Das liegt hier so in den Pösten.“

In die „Pösten“ oder in die Wiege gelegt - dies ist verbandlich organisierte Caritasarbeit für Baronin Lüninck nicht. Aufgewachsen im Hunsrück, hatte sie zwar schon als Kind gemeinsam mit ihrer Mutter Wöchnerinnen besucht und Nachbarschaftshilfe geleistet. Doch erst in Ostwig sollte sie über eine engagierte Lehrerin Zugang in die Welt der organisierten Caritas erhalten. „Ich hatte anfangs null Ahnung“, berichtetesie. „Deshalb wollte ich mich zunächst auch als Schriftführerin der Gruppe im Hintergrund halten.“

Doch schon bald trat sie aus dem Hintergrund hervor, plante gemeinsam mit der Caritas-Konferenz Angebote für vereinsamte Senioren, Erholungsfreizeiten für Kinder oder Hilfen für Gastarbeiter. Als Zugezogene fühlte sie sich bald in der Gruppe aufgehoben. Zur positiven Erfahrung der Gemeinschaft im Caritas-Ehrenamt gehörte für sie von Anfang an die gemeinsame religiöse Erfahrung im Gebet. „Wir haben uns immer wieder daran erinnert, dass wir Kirche sind“, berichtete Baronin Lüninck, deren Großonkel der berühmte Kardinal Galen, der „Löwe von Münster“ war.

Seit 1973 engagierte sie sich im Diözesanvorstand der Caritas-Konferenzen, von 1984 bis 1997 war sie Diözesanvorsitzende. Dem Bundesvorstand des Verbandes gehörte sie von 1981 bis 2000 an. Dassehrenamtliche und berufliche Caritas zusammen gehören und sich im Idealfall ergänzen, war für Elisabeth von Lüninck immer ein wichtiges Anliegen. Sie gehörte zu den ersten Frauen, die zur Vorsitzenden eines örtlichen Caritasverbandes im Erzbistum Paderborn gewählt wurden. 34 Jahre lang, von 1976 bis 2010, stand sie an der Spitze des Caritasverbandes Meschede, machte sich dort für den Ausbau von Beratungsdiensten oder Pflege-Einrichtungen stark. Für ihr Engagement wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Päpstlichen Silvesterorden und dem Silbernen Brotteller des Deutschen Caritasverbandes. 

Sorge bereitete Baronin Lüninck stets die Zukunft von Familien. Neben dem Lebensschutz stand insbesondere die Müttergenesung ganz oben auf ihrer Agenda. So war sie langjährig Vorsitzende des Vereins Caritas Kur- und Erholungsheime im Erzbistum Paderborn. Pessimismus war Elisabeth Freifrau von Lüninck immer ein Fremdwort. Gern zitierte sie ein Wort ihrer Mutter: „Gott hat diese Menagerie erschaffen, er muss sehen, dass er damit klar kommt.“